03. Juli 2026

Hergiswil setzt auf Wärme aus dem See

Die nachhaltige Wärmeversorgung in Nidwalden wächst weiter: In Hergiswil entsteht ein neues Fernwärmenetz, das künftig einen Teil der Gemeinde mit Wärme aus dem Vierwaldstättersee versorgt. Realisiert wird das Projekt durch das Kantonale Elektrizitätswerk Nidwalden (EWN).

Mit dem Spatenstich für die neue Energiezentrale Mitte Juni hat der Seewasser-Wärmeverbund Hergiswil einen wichtigen Meilenstein erreicht. Das Projekt verfolgt ein klares Ziel: Künftig soll ein grosser Teil der Gemeinde Hergiswil mit nachhaltiger Wärme aus dem Vierwaldstättersee versorgt werden. Fossile Heizsysteme können so Schritt für Schritt mit einer erneuerbaren Alternative ersetzt werden.

Das Herzstück des Projekts ist die neue Energiezentrale bei der ARA. Dafür wird die bestehende Wertstoffsammelstelle abgebrochen und anschliessend in das Gebäude integriert. Anex verantwortet die Gesamtplanung des Projekts und begleitet damit eine weitere zukunftsweisende Wärmelösung in der Zentralschweiz.

Bau und Erschliessung in Etappen

Die Umsetzung erfolgt schrittweise. Parallel zum Bau der Energiezentrale wird auch das Fernwärmenetz etappenweise ausgebaut. Die ersten Kundinnen und Kunden sollen ab Mitte 2028 Fernwärme beziehen können. Im Endausbau werden bis zu 170 Gebäude an den Wärmeverbund angeschlossen sein. 

So funktioniert der Wärmeverbund

Für den Wärmeverbund wird das Seewasser des Vierwaldstättersees als Wärmequelle genutzt. Dessen Wärme wird auf einen Zwischenkreislauf übertragen und mittels hocheffizienter Wärmepumpen auf ein Temperaturniveau von bis zu 70°C angehoben. Anschliessend wird diese Wärme über das Fernwärmenetz zu den angeschlossenen Liegenschaften transportiert.

Kevin Steiger, Projektleiter bei Anex und verantwortlich für die Planung der Energiezentrale, sagt: «Die Anlage umfasst drei Wärmepumpen mit einer Gesamtleistung von 5.5 MW. Damit können jährlich rund 17 GWh Wärme erzeugt und über ein 13.6 Kilometer langes Leitungsnetz an die angeschlossenen Gebäude verteilt werden.»

Erfahrung mit Seewasserprojekten

Für Anex ist der Wärmeverbund in Nidwalden kein Einzelfall. Auch in Buochs, ebenfalls am Vierwaldstättersee gelegen, wird ein ähnliches Projekt durch EWN realisiert. Dort sollen bereits ab 2027 erste Teile der Gemeinde mit Wärmeenergie aus dem See versorgt werden. Darüber hinaus betreut Anex weitere Seewasserpojekte wie die See-Energie Horw Kriens, Circulago in Zug oder CoolCity in Zürich.

Die beiden Ausführungsprojekte zeigen, welches Potenzial in regionalen und erneuerbaren Energielösungen steckt. Gleichzeitig verdeutlichen sie, wie vielfältig die Anforderungen solcher Projekte sind: Neben dem technischen Engineering ist Anex auch in interdisziplinäre Fragestellungen eingebunden, wie etwa bei baulichen Themen oder bei der Umsetzung der Wertstoffsammelstelle. Für Kevin Steiger macht gerade diese Vielschichtigkeit den Reiz dieses zukunftweisenden Projektes aus: «Es ist schön zu sehen, dass wir mit unserer Arbeit einen konkreten Beitrag zur lokalen Wertschöpfung und zu einer nachhaltigen, unabhängigen Energieversorgung leisten können.»

Die Energiezentrale befindet sich im oberen Geschoss, während unten die Wertstoffsammelstelle ist. (Quelle: EWN)

Projektperimeter Seewasser-Wärmeverbund


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