CO2-freie Energieversorgung für die Sportwelt Gossau
Mit dem Neubau des Hallenbads und der Fussball-Tribüne setzt die Stadt Gossau auf ein zukunftsweisendes Energiekonzept. Anex verantwortete die Gesamtleitung sowie die integrale Fachplanung, um den Sportpark über ein intelligentes Anergienetz vollständig erneuerbar zu versorgen.
Die Stadtwerke Gossau initiierten im Zuge der Projektierung des neuen Hallenbads und der Tribüne eine Neuausrichtung der Wärme- und Kälteversorgung. Ziel war es, für den gesamten Sportpark eine CO2-freie und nachhaltige Infrastruktur zu schaffen, die zudem flexibel erweitert werden kann. Anex begleitete das Projekt von der Machbarkeitsstudie an und übernahm die Gesamtleitung der Energieversorgung sowie die Fachplanung in den Gewerken Heizung, Lüftung, Klima, Sanitär, Elektro und Gebäudeautomation. Entstanden ist ein effizienter Grundwasser-Wärmeverbund, der optimal auf die unterschiedlichen thermischen Bedürfnisse der Sportbauten abgestimmt ist.
Dezentrale Energieversorgung über das Anergienetz
Als thermische Basis für den Verbund dient die Nutzung des lokalen Grundwassers über zwei Brunnen. Über ein flächendeckendes Anergienetz wird die Energie zu den einzelnen Gebäuden transportiert, wo massgeschneiderte, dezentrale Wärmepumpenanlagen die bedarfsgerechte Aufbereitung übernehmen. Die Stärke dieses dezentralen Konzepts liegt in der exakten Reaktion auf die stark variierenden Temperaturniveaus und Bedürfnisse der einzelnen Nutzungen. So versorgen im Hallenbad Wärmepumpen das Schwimmbecken und die Raumheizung mit konstanten 36 Grad Celsius, während parallel dazu 60 Grad Celsius für das Duschwarmwasser mit einer separaten Wärmepumpe bereitgestellt werden.
Bei der Tribüne kommt eine modulierende Wärmepumpe zum Einsatz, welche die Raumheizung mit effizienten 35 Grad Celsius und das Warmwasser ebenfalls mit 60 Grad Celsius bedient. Mit dem Anergienetz wird zudem Kälte für einzelne Nutzungen wie den Gastrobetrieb im Hallenbad bereitgestellt.
Nach demselben Prinzip wird in einer zweiten Etappe in rund einem Jahr auch die bestehende Turnhalle Buechenwald an den Verbund angeschlossen. Ergänzt wird die Anlage durch grossflächige Photovoltaikanlagen auf den Dächern von Hallenbad und Tribüne, die mit einer Maximalleistung von insgesamt 439 kW DC eine beachtliche Menge an eigenem Strom direkt vor Ort produzieren.
Technische Beharrlichkeit und Weitsicht
Die grösste technische und organisatorische Herausforderung im Projektverlauf betraf die Verfügbarkeit und Qualität des Grundwassers. Bis die umfangreichen Pump- und Versickerungsversuche abgeschlossen waren, blieb die Ergiebigkeit lange Zeit unklar. Das Team von Anex verfolgte den Ansatz der Grundwassernutzung jedoch konsequent weiter, selbst als sich die chemische Zusammensetzung und die Ergiebigkeit als weniger optimal als erwartet herausstellten. Gleichwertige Alternativen wie eine Holzpellet- oder Holzschnitzelfeuerung wurden bewusst verworfen, da die Kombination aus Grundwasser und dezentralen Wärmepumpen ideal mit den tiefen Systemtemperaturen des Hallenbads harmoniert und lokale Emissionen vollständig vermieden werden können.
Dank der Auslegung des Wärmeverbunds auf eine etappierte Erweiterbarkeit wurde ein System mit grosser Weitsicht realisiert. Während der Wärmeverbund für die ersten Nutzungen erfolgreich fertiggestellt wurde, erfolgt der Anschluss der Turnhalle planmässig im nächsten Schritt. Es besteht zudem die Kapazität für den Anschluss einer geplanten, weiteren Turnhalle.
Nachhaltiger Sportpark als Referenzprojekt
Das Projekt in Gossau zeigt exemplarisch, wie komplexe Sport- und Freizeitanlagen durch intelligentes Energiemanagement fit für die Zukunft gemacht werden. Mit einer installierten Wärmeleistung von 500 kW und einer Kälteleistung von 100 kW sichert die Anlage die ökologische Versorgung des Areals. Durch die jährliche Grundwassernutzung von rund 1.0 GWh bzw. eine Wärmeversorgung von 1.3 GWh spart die Stadt Gossau im Vergleich zu einer fossilen Versorgung zukünftig rund 330 Tonnen CO2 pro Jahr ein.
Dieses wegweisende System besitzt echten Pioniercharakter für den kommunalen Sektor. Es zeigt auf, wie Grossareale durch die konsequente, dezentrale Verknüpfung von lokaler Umweltenergie und eigener Stromproduktion vollständig dekarbonisiert werden können.
Stadtwerke Gossau
2020 - 2026
- Gesamtleitung Wärme- und Kälteversorgung
- Variantenvergleich und Machbarkeitsstudie
- Technikplanung Wärmeverbund (Grundwasserfassungen, Anergienetz, Leitungsbau)
- Integrale Fachplanung HLKSE und Gebäudeautomation (Energiezentralen)
- Fachbauleitung und Begleitung der Umsetzung
- Monitoring
- Fertigstellung des flexibel erweiterbaren Grundwasser-Wärmeverbunds
- CO2-freie Wärme- und Kälteversorgung für den gesamten Sportpark
- Dezentrales Anergienetz für optimal abgestimmte Nutzungstemperaturen (35 bis 60 Grad Celsius)
- Jährliche Einsparung von rund 330 Tonnen CO2
- 1.0 GWh Grundwassernutzung und 1.3 GWh Wärmeversorgung pro Jahr
- Einbindung von 439 kWp Photovoltaik-Leistung zur Eigenstromproduktion
- Anlagendimension: 500 kW Wärmeleistung / 100 kW Kälteleistung
Gesamtprojektleitung, Bauleitung
Energieplanung
HLKS Planung, Räumliche Koordination
Planung Gebäudeautomation
Elektroplanung