09. April 2026

Von 100% Gas und Öl zu 100% erneuerbar: ABZ Hönggerberg wechselt auf Fernwärme

Durch den Anschluss an den Wärmeverbund Käferberg ab der ewz-Energiezentrale Waidspital spart die Siedlung ABZ Hönggerberg jährlich rund 310 Tonnen CO2 ein.

Die Siedlung Hönggerberg der Genossenschaft ABZ zählt mit ihren 313 Wohnungen zu den grössten Wohnanlagen der Genossenschaft. Die Gebäude wurden 1975 erstellt und bislang über Gas- und Ölheizkessel mit Wärme versorgt. Im Sinne ihres Leitbilds, Verantwortung für Umwelt und Gesellschaft zu übernehmen, entschied sich die ABZ, die fossile Wärmeerzeugung konsequent durch eine nachhaltige Lösung zu ersetzen.

Die richtige Lösung finden

Im Rahmen einer Machbarkeitsstudie prüfte Anex verschiedene Varianten für die zukünftige Wärmeversorgung. Aufgrund der Hanglage mit vielen Bäumen, der weitläufigen Verteilung der Gebäude, wenig Platzreserven, sowie des grossen Leistungsbedarfs auf hohem Temperaturniveau, erwiesen sich Optionen wie Holzheizungen, Luft oder Erdsonden als ungeeignet. Die Lösung fand sich schliesslich in der Anbindung an den Wärmeverbund Käferberg von ewz, obwohl die Siedlung Hönggerberg nicht im Versorgungsperimeter des Wärmeverbunds lag. Als reines Redundanzsystem und Lastabwurf wurden neue Gaskessel geplant, die zu 100% mit Biogas betrieben werden.

«Mit der Umstellung konnten wir auf einen Schlag rund 310 Tonnen CO2 einsparen. Genau für solche wirkungsvollen Lösungen machen wir unsere Arbeit.»

Sven Trecco
Gesamtprojektleiter, Anex Ingenieure AG
Präzise Planung und enge Koordination

Während der Bauphase wurden die elf dezentralen Unterstationen in den einzelnen Gebäuden temporär durch elektrisch betriebene Heizsysteme («Hotboys») ersetzt. Diese gewährleisteten die Warmwasserversorgung, konnten jedoch nicht die vollständige Heizleistung abdecken. Deshalb wurde die Umsetzung bewusst in die Sommermonate gelegt und musste Anfang September abgeschlossen sein. Das erforderte eine minutiöse Vorausplanung seitens Anex und eine enge Koordination zwischen allen Projektpartnern. Ein glücklicher Nebeneffekt der Bauphase: In den sonnenreichen Monaten konnten die Hotboys zu einem hohen Anteil mit Strom aus den bestehenden PV-Anlagen auf den Dächern der Siedlung betrieben werden, was die Zwischenlösung besonders nachhaltig machte.

Trotz  detaillierter Planung sind unvorhergesehene Ereignisse nicht auszuschliessen. So kam es während der Bauarbeiten in der Appenzellerstrasse zu Brüchen an den alten, sanierungsbedürftigen Wasserleitungen.  Das austretende Wasser fand dann über die Gräben für die Fernwärme und die bereits erstellten Kernbohrungen den Weg in die Zentrale, woraufhin diese überflutete.  Die positive Teamatmosphäre trug massgeblich dazu bei, dass dieses sowie weitere, kleinere Herausforderungen pragmatisch und effizient gelöst werden konnten.

Überflutete Zentrale durch Brüche alter, sanierungsbedürftiger Wasserleitungen. Das unvorhergesehene Ereignis konnte dank einer positiven Teamatmosphäre und effizienter Projektkoordination schnell bewältigt werden.

Gaskessel als reine Redundanz, welche zu 100% mit Biogas betrieben werden.

Sven Trecco, Gesamtprojektleiter Anex, bei den Abnahmen mit der Bauherrschaft.

Effiziente Infrastruktur und moderne Technik

Im Zuge der Umstellung wurde die gesamte Wärmeinfrastruktur erneuert. Alte, in der Erde verlegte Kanäle mit Verbindungsleitungen,  wurden zurückgebaut und durch moderne Fernwärmerohre ersetzt.

Die neue Fernwärme-Übergabestation verfügt über eine Leistung von 900 kW – deutlich weniger als die zuvor installierten 1’700 kW. Messungen im Vorfeld hatten gezeigt, dass diese reduzierte Leistung den effektiven Bedarf vollständig abdeckt und damit eine effizientere Versorgung ermöglicht. 

Ergänzt wird das System durch ein übergeordnetes Leitsystem mit integriertem Energiemonitoring. Eine digitale Bewirtschaftungsplattform liefert in Echtzeit Daten und Trends, wodurch Betrieb und Unterhalt laufend verbessert werden können. Die Vernetzung aller Unterstationen erforderte unter anderem den Ausbau entsprechender Glasfaserverbindungen durch die Keller aller Gebäude.

310 Tonnen CO2 weniger pro Jahr

Das Projekt ist ein voller Erfolg. Die Siedlung Hönggerberg bezieht ihre Wärme heute zu 100 % aus erneuerbaren Energien, womit jährlich rund 310 Tonnen CO2 eingespart werden können. Vor dem Umbau wurde von ABZ bereits rund 45% Biogas abonniert, sonst würde der Anteil nochmals höher ausfallen. Ein eindrücklicher Beitrag zum Klimaschutz und ein starkes Beispiel für die erfolgreiche Transformation bestehender Areale.


Schliessen