Anergienetz Friesenberg – ein Pionierprojekt

5'500 Menschen der Familien-Genossenschaft Zürich (FGZ) heizen mit Abwärme von der Credit Suisse und Swisscom – ein Schweizer Pionierprojekt. Matthias Kolb war Mitinitiator dieser Idee und leitet das Gesamtprojekt. Er beantwortet drei Fragen.
Wie einzigartig ist das Projekt im Vergleich zu anderen nachhaltigen Energieversorgungssystemen?

Das Anergienetz ist eines der ersten ungerichteten Netze, das die umfassende gebäudeübergreifende Abwärmenutzung ermöglicht. Das hydraulische Konzept «ungerichtete Netze», bei welchem der Bezüger selbst entscheidet, ob er Wärme oder Kälte beziehen will, wird derzeit vielerorts geprüft und umgesetzt. Das Interesse ist sehr gross.

Einzigartig ist auch die Zusammenarbeit zwischen den unterschiedlichen Parteien Credit Suisse, Swisscom und FGZ. Das Vertrauen auf die partnerschaftliche Zusammenarbeit ohne bindende Verpflichtung unter den verschiedenen Parteien war Basis für die erfolgreiche Umsetzung.

Was war die grösste Herausforderung?

Da es eines der ersten Anergienetze in der Schweiz überhaupt war, musste das Konzept vielen Stakeholdern erklärt werden. Wir mussten sie von den einzigartigen Vorteilen als Erstes überzeugen.

Wie viel teurer ist dieses Projekt im Vergleich zu einer «Standard»-Energieversorgung, etwa einer Ölheizung?

Verglichen mit Öl- und Gasheizungen ist die Versorgung mittels Anergienetz und Wärmepumpen ca. 30% teurer. Neben der Wärmenutzung ist jedoch auch die Kältenutzung über das Anergienetz möglich. Das wiederum reduziert die Wärmekosten immens. Ein solcher Vergleich 1:1 sollte aber nicht gemacht werden. Sobald bei der Wärmeversorgung zukünftig ein Mindestanteil an erneuerbarer Energie Pflicht ist, kann das Anergienetz kostenmässig locker mithalten.

So funktioniert das Anergienetz

Ein Anergienetz verbindet Gebäude mit unterschiedlichen Nutzungen und unterschied­lichen Wärme- und Kältebedürfnissen. Da die Verfügbarkeit und Nachfrage zeitlich ver­setzt zueinander sind, werden grosse Energiespeicher benötigt.

Im Fall des Anergienetzes Friesenberg wird die anfallende Abwärme aus den Rechen­zentren der beiden Grossbetriebe CS und Swisscom über Wärmetauscher ins Anergie­netz (Wasserkreislauf) geführt. Beide Unternehmen liefern ganzjährig Abwärme und nutzen im Winter einen grossen Teil der Abwärme selber.

In den Sommermonaten besteht jedoch nur ein geringer Wärmebedarf seitens FGZ. In diesem Fall wird die überschüssige Energie in grosse Erdwärmesonden-Felder geführt und dort zwischengelagert. Die sogenannten Erdspeicher nutzen das Erdreich als ther­mische Speichermasse. Insgesamt werden in den drei Erdspeichern – Grossalbis, Zentrum und Grünmatt – 450 Erdwärmesonden auf 250 m Tiefe gebohrt.

Übersteigt der Wärmebedarf der FGZ in den Wintermonaten die gleichzeitig gelieferte Abwärme, bezieht die FGZ ihre Wärme zusätzlich aus den Erdspeichern. Wo Wärme fliesst, fliesst in entgegengesetzter Richtung Kälte. Der Rückfluss aus der Siedlung ins Anergienetz ist stets kühler. Von dieser Temperaturdifferenz profitiert die CS. Sie be­zieht Kälte aus dem Anergienetz und kann so ihre Anlagen mit geringerem Energieauf­wand effizienter betreiben. Zudem benötigen die Rückkühler auf dem Dach jährlich rund 10‘000 m3 weniger aufbereitetes Trinkwasser.

Fragen zum Konzept Anergienetz?

Haben Sie Fragen zum Projekt oder zum Konzept Anergienetz? Wir freuen uns, Ihr Anliegen persönlich mit Ihnen zu besprechen.

Matthias Kolb
Geschäftsleitung, Partner, VR

MSc ETH/SIA


Schliessen